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                                                              Theodizee                   

Theodizee ist eine Spielart des Atheismus und kann in seiner Bedeutung erst im Rahmen des Atheismus voll erfasst werden. Der Atheismus verneint oder ignoriert die Existenz eines persönlichen Gottes. Es können dabei der weltanschauliche Atheismus vom praktischen und moralischen Atheismus  unterschieden werden:

                      

Der  weltanschauliche Atheismus

Der weltanschauliche Atheismus versucht die Welt aus der Wechselwirkung der Materie heraus zu erklären. Er stützt sich dabei auf die Entbehrlichkeit der "Gotteshypothese" und verweist auf die Naturwissenschaften. Doch er übersieht, dass die Naturwissenschaften mit Modellen arbeiten, welche die Wirklichkeit so vereinfachen, dass jeweils nur das interessierende naturwissenschaftliche Phänomen darin eine Rolle spielen kann. Es ist genau diese Modellkonstruktion, die zu den Erfolgen naturwissenschaftlicher Forschung geführt haben. Naturwissenschaft ist also so konstruiert, dass Gott darin bewusst ausgeklammert wurde und dies nur deshalb, weil Gott hier nicht der Gegenstand der Erkenntnis ist. Die Wissenschaft, die Gott zum Gegenstand ihrer Erkenntnis macht, ist die Theologie.

Der dialektische Materialismus - die Philosophie des Marxismus-Leninismus - erhebt völlig zu Recht die Frage nach Gott zur Grundfrage der Philosophie. Die Grundfrage ist die Frage danach, was wohl das Primäre ist: Materie oder Bewusstsein. Sie wird natürlich vom dialektischen Materialismus dahingehend beantwortet, dass dies die Materie sei und die Materie das Bewusstsein in einem langen Evolutionsprozess hervorgebracht hat. Die kurze Formel dazu lautet: "Das Gehirn ist das Organ des Denkens! " 

Aufschlussreich ist die gewählte Formulierung der Antwort auf die Grundfrage der Philosophie. Sie lautet: "Der dialektische Materialismus geht davon aus, dass die Materie das Primäre ist." Dies "geht davon aus" ist aber nichts weiter als eine andere Formulierung für "glaubt". Der dialektische Materialismus ist wie jeder andere Materialismus eine Glaubenslehre. Mit der Theologie hat er gemeinsam, dass jede Antwort auf die Gottesfrage nicht beweisbar ist. Denn wäre sie beweisbar, könnte es keinen Glauben geben.

 Der praktische Atheismus

Der praktische Atheismus ist kein Atheismus im strengem Sinn. Trotzdem ist er für die Kirchen viel bedrohlicher als der weltanschauliche Atheismus.  Der praktische Atheismus ignoriert einfach die Gottesfrage. Auf die Grundfrage der Philosophie würde zur Antwort gegeben: "Interessiert mich nicht!" Gegenwärtig ist der praktische Atheismus von allen Spielarten des Atheismus am weitesten verbreitet. "Gott mag ja ein guter Mann sein, aber er hat für mich keinerlei Bedeutung." 

Ursache für den praktischen Atheismus ist die Eingebundenheit in den Trubel der Welt. Entweder sind es Existenzsorgen oder die Jagd nach Geld und Gut, welche die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

Jesus hat ihn schon gekannt - den praktischen Atheismus und im Gleichnis vom großen Abendmahl behandelt. Im Gleichnis sind es die geladenen Gäste, welche den praktischen Atheismus huldigen und deshalb nicht zur Tafel erscheinen, obwohl alles bereit ist. Und so muss auch die bekannten Sentenz aus der Bergpredigt verstanden werden, nachdem man nicht zwei Herren dienen kann, Gott und dem Mammon!

 

Der moralische Atheismus (Theodizee)

Der Begriff geht auf Leibnitz zurück: Essais de Theódicee, 1710. Das Problem jedoch stellt sich als Grundfrage jeder Religion dar. Warum ist die Welt nicht heil (Stalingrad, Auschwitz, Hiroshima, AIDS, Hunger in der Welt etc.), wenn es einen allmächtigen und gütigen Gott gibt, der Liebe ist?

Das Problem der Theodizee wurde schon vom antiken Philosophen Epikur formuliert: Wenn Gott das Unheil beseitigen wolle , es aber nicht könne, dann sei er ohnmächtig. Könne er es beseitigen, wolle es aber nicht, dann sei er nicht gütig. Wenn er es weder wolle noch könne, dann sei er ohnmächtig und nicht gütig zugleich. Wenn er es beseitigen wolle und zugleich könne, warum tut er es nicht? Die Antwort des moralischen Atheismus lautet: "Es gibt keinen Gott!"

Seit Epikur wurden immer wieder Antworten versucht.  Hier wird folgende Antwort  favorisiert:

Gott kann jegliches Unheil sofort beseitigen. Da Unheil in der Regel aber durch Menschen gemacht wird und Menschen in der Regel auch Naturkatastrophen verhindern oder rechtzeitig aus dem Weg gehen können,  hieße dies, aus Menschen Marionetten, Schachfiguren oder Computeranimationen zu machen. Und dies will sicherlich Gott nicht, sonst hätte er nicht freie, selbstbestimmte  Menschen erschaffen. Gott will das Heil - ein Heil, das in freier Entscheidung der Menschen durch die Nachfolge Jesu bewirkt wird und das im Gottesreich kumuliert. Ansonsten wäre Jesus Christus nicht Mensch geworden. Die Freiheit der Menschen ist der Preis des Heils!

                 

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